Ein offener Kamin darf nach der 1. BImSchV nur gelegentlich betrieben werden, und zwar nur mit naturbelassenem Scheitholz oder Holzbriketts. Er braucht keine Typprüfung und ist von den Austauschfristen ausgenommen. Wer regelmäßig heizen möchte, rüstet einen geschlossenen Kamineinsatz nach.
§ 4 Abs. 4 der 1. BImSchV erlaubt offene Kamine nur für den gelegentlichen Betrieb. Wie oft das ist, legt die Verordnung nicht fest. Die Stadt Hildesheim nennt in ihrem Merkblatt höchstens 8 Tage im Monat mit maximal 5 Stunden je Tag. Die Muster-Feuerungsverordnung verlangt 80 cm Abstand zu brennbaren Bauteilen nach oben und zur Seite, mit belüftetem Strahlungsschutz 40 cm. Ein geschlossener Kamineinsatz muss dagegen die Stufe 2 erfüllen und einen Mindestwirkungsgrad von 75 Prozent erreichen.
Was erlaubt die 1. BImSchV für offene Kamine?
Nach § 4 Abs. 4 der 1. BImSchV dürfen offene Kamine nur gelegentlich betrieben werden. Erlaubt sind nur naturbelassenes stückiges Holz und Holzbriketts. Eine Typprüfung wie bei Kaminöfen brauchen sie nicht, und von den Nachrüst- und Austauschfristen für Altanlagen sind sie nach § 26 ausgenommen.
Die Ausnahme hat einen Grund: Ein offener Kamin ist nicht zum Heizen gedacht, sondern für die Atmosphäre. Er wird deshalb nicht an Grenzwerten gemessen, darf aber auch nicht dauerhaft genutzt werden. Die übrigen Regeln, etwa zur Restfeuchte des Holzes, gelten trotzdem. Die Verordnung im Überblick erklärt 1. BImSchV für Kaminöfen: Grenzwerte, Fristen, Pflichten.
Wie oft ist „gelegentlich“?
Die Verordnung nennt keine feste Zahl. Behörden legen den Begriff aus. Die Stadt Hildesheim schreibt in ihrem Merkblatt zu offenen Kaminen, ein offener Kamin sollte an höchstens 8 Tagen im Monat für maximal 5 Stunden je Nutzungstag betrieben werden. Er sei nicht für die dauerhafte Beheizung von Wohnraum geeignet.
Andere Behörden können das anders handhaben. Wer sicher gehen will, fragt den Bezirksschornsteinfeger, wie die Regel vor Ort ausgelegt wird. Wer öfter heizen möchte, ist mit einem geschlossenen Kamineinsatz rechtlich auf der sicheren Seite.
Das Merkblatt der Stadt Hildesheim gibt praktische Regeln für den offenen Kamin: den Brennraum höchstens zur Hälfte füllen, Scheite mit höchstens 6 cm Durchmesser verwenden, mit dünnem, naturbelassenem Holz anheizen und auf genug Verbrennungsluft achten, damit kein Schwelbrand entsteht. Eine gute Verbrennung erkennt man laut Merkblatt an langen Flammen, feiner weißer Asche und einer kaum sichtbaren Abgasfahne über dem Dach. Lackiertes, beschichtetes oder verleimtes Holz und Spanplatten gehören nie ins Feuer.
Welche Abstände braucht ein offener Kamin?
Die Muster-Feuerungsverordnung verlangt in § 4 Abs. 9 mindestens 80 cm Abstand zu brennbaren Bauteilen nach oben und zu den Seiten. Mit einem beidseitig belüfteten Strahlungsschutz genügen 40 cm. Vor der Feuerungsöffnung muss wie bei jeder Feuerstätte für feste Brennstoffe ein nichtbrennbarer Bodenbelag liegen, mindestens 50 cm nach vorn und 30 cm zur Seite.
Diese Werte übernehmen die Länder in ihre Feuerungsverordnungen. Weil beim offenen Kamin Funken direkt in den Raum fliegen können, ist ein Funkenschutzgitter vor der Öffnung sinnvoll. Mehr zu Bodenplatten steht in Kaminofen-Zubehör: Was man wirklich braucht.
Kann man einen offenen Kamin nachrüsten?
Ja. Der übliche Weg ist ein geschlossener Kamineinsatz, der in die vorhandene Feuerstelle eingesetzt wird. Aus dem offenen Kamin wird dann ein Heizkamin mit Tür und Sichtscheibe. Der Einsatz muss die Grenzwerte der Stufe 2 einhalten: 0,04 g/m³ Staub und 1,25 g/m³ Kohlenmonoxid, bei einem Mindestwirkungsgrad von 75 Prozent.
Ob ein Einsatz in die vorhandene Öffnung passt und der Schornstein zum neuen Gerät passt, klären Fachbetrieb und Bezirksschornsteinfeger vorab. Der Querschnitt eines alten Kaminschornsteins ist für einen modernen Einsatz oft zu groß. Was dann zu tun ist, erklärt Schornstein: Aufbau, Arten und Anforderungen. Nach dem Umbau folgt eine neue Abnahme.
Ein offener Kamin braucht viel Verbrennungsluft aus dem Raum. Läuft gleichzeitig eine Ablufthaube oder Lüftungsanlage, kann Rauch in den Raum gezogen werden. Ablufthaube aus, Fenster einen Spalt öffnen, und nie ein Feuer unbeaufsichtigt lassen. Ein CO-Melder im Raum warnt vor Kohlenmonoxid.
💬 Meine EinschätzungEin offener Kamin ist ein schönes Stück Atmosphäre, aber keine Heizung. Wer ein Haus mit offenem Kamin übernimmt und ihn im Winter regelmäßig nutzen möchte, sollte über einen Kamineinsatz nachdenken. Damit wird aus dem Schmuckstück eine Feuerstätte, die man rechtlich ohne Einschränkung auf gelegentlichen Betrieb nutzen darf und die einen Großteil der Wärme im Raum hält, statt sie durch den Schornstein zu schicken.
- Offene Kamine nur gelegentlich, nur Scheitholz oder Holzbriketts.
- Keine Typprüfung, keine Austauschpflicht.
- Beispiel Hildesheim: höchstens 8 Tage im Monat, je 5 Stunden.
- 80 cm Abstand zu brennbaren Bauteilen, mit Strahlungsschutz 40 cm.
- Regelmäßig heizen: geschlossenen Kamineinsatz nach Stufe 2 nachrüsten.
Häufige Fragen zum offenen Kamin
Diese Fragen tauchen rund um offene Kamine häufig auf.
Muss ein offener Kamin stillgelegt werden?
Nein. Offene Kamine sind nach § 26 der 1. BImSchV von den Austauschfristen ausgenommen. Sie dürfen weiter genutzt werden, aber nur gelegentlich.
Darf ich im offenen Kamin Briketts verbrennen?
Erlaubt sind Holzbriketts. Braunkohlebriketts und andere Brennstoffe sind im offenen Kamin nach § 4 Abs. 4 nicht zulässig.
Braucht ein neuer offener Kamin eine Abnahme?
Ja. Wie jede Feuerstätte muss auch ein offener Kamin vor der ersten Nutzung vom Bezirksschornsteinfeger abgenommen werden. Der Ablauf steht in Kaminofen einbauen: Ablauf, Kosten und Abnahme.
Den Vergleich mit anderen Feuerstätten zeigt Kaminofen: Bauarten, Leistung und Auswahl im Überblick. Wer ganz ohne Schornstein auskommen muss, findet Alternativen in Ethanolkamin: Funktion, Sicherheit und Grenzen.
Quellen und weiterführende Literatur
Die Angaben in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen. Abgerufen am 1. November 2026.
- Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV), § 4, § 26 und Anlage 4 · gesetze-im-internet.de · Gelegentlicher Betrieb, Brennstoffe, Ausnahme von Austauschfristen, Grenzwerte für Kamineinsätze.
- Merkblatt offene Kamine · Stadt Hildesheim, Fachbereich Bauaufsicht, Umwelt und Klimaschutz · Betriebsdauer, Brennstoffe, Hinweise zum Anheizen, September 2020.
- Muster-Feuerungsverordnung (MFeuV), § 4 · is-argebau.de · Abstände bei offenen Kaminen, Bodenbelag.


