Ethanolkamin: Funktion, Sicherheit und Grenzen

Ein Ethanolkamin ist eine dekorative Feuerstelle ohne Schornstein, die flüssiges Bioethanol verbrennt. Er erzeugt echte Flammen, aber nur wenig nutzbare Wärme, weil der Raum während des Betriebs gelüftet werden muss. Sicher ist er nur mit Norm-Gerät, Abstand und abgekühltem Nachfüllen.

📋 Kurz zusammengefasst

Ein Ethanolkamin braucht keinen Schornstein, gibt aber alle Verbrennungsgase in den Raum ab. Nach dem Merkblatt von bfu und BAG entsprechen 0,3 Liter Ethanol pro Stunde etwa 2 kW Leistung. Die Verbraucherzentrale NRW rät vom Heizen damit ab, weil durch das nötige Lüften die Wärme verloren geht. Die größten Risiken sind Stichflammen beim Nachfüllen und Schadstoffe in der Raumluft. Stiftung Warentest empfiehlt Geräte nach DIN EN 16647 und höchstens 5 Liter Brennstoff in der Wohnung.

Was ist ein Ethanolkamin und wie funktioniert er?

Ein Ethanolkamin besteht aus einem Brennstoffbehälter mit Brenner, einer Abdeck- oder Löschvorrichtung und einem Gehäuse. Bioethanol verdampft an der Oberfläche und verbrennt mit sichtbarer Flamme. Es gibt kein Rauchrohr und keinen Schornstein, alle Verbrennungsprodukte bleiben im Raum.

Bioethanol ist Alkohol, der aus Biomasse wie Getreide, Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen wird. Bei vollständiger Verbrennung entstehen daraus Kohlendioxid und Wasserdampf. Bei unvollständiger Verbrennung entstehen zusätzlich Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Formaldehyd und Benzol.

Ethanolkamine gibt es in 4 Bauformen: Tischkamine, Wandkamine, Standkamine und Brennereinsätze für eine eigene Verkleidung. Der Brenner ist bei allen Bauformen das gleiche Prinzip. Die Unterschiede liegen in Füllmenge, Flammenregulierung und Standsicherheit.

Rechtlich gilt ein Ethanolkamin in Deutschland als dekorative Feuerstelle für flüssige Brennstoffe, nicht als Heizung. Die frühere Norm DIN 4734-1 wurde laut Verbraucherzentrale NRW zurückgezogen. Heute regelt die europäische Norm DIN EN 16647 Bau, Kennzeichnung und Betrieb.

Kann man mit einem Ethanolkamin heizen?

Ein Ethanolkamin eignet sich nicht als Heizung. Nach dem Merkblatt von bfu und BAG liefern 0,3 Liter Ethanol pro Stunde rund 2 kW. Diese Wärme geht beim vorgeschriebenen Lüften großteils wieder verloren, die Verbraucherzentrale NRW rät deshalb vom Heizen ab.

Die Leistung hängt direkt am Verbrauch. Ethanol hat einen Heizwert von rund 26,8 Megajoule je Kilogramm und eine Dichte von etwa 0,79 Kilogramm je Liter. Daraus ergeben sich rund 5,9 Kilowattstunden Energie je Liter. Ein Brenner, der 0,3 Liter pro Stunde verbraucht, setzt also etwa 1,8 kW frei. Das passt zum Richtwert von 2 kW aus dem Schweizer Merkblatt.

Zum Vergleich: Ein Wohnzimmer mit 30 Quadratmetern in einem teilsanierten Altbau braucht an kalten Tagen etwa 2,4 kW Heizleistung. Das ergibt der Kamin-Rechner mit dem Faustwert von 80 Watt je Quadratmeter. Ein Ethanolkamin kommt rechnerisch in diese Größenordnung, verliert die Wärme aber durch das offene Fenster.

Die Schweizer Feuerversicherungen (VKF) ziehen eine klare Grenze: Ab 0,3 Litern Verbrauch pro Stunde gilt ein Gerät dort als Heizung und muss an eine Abgasanlage angeschlossen werden. Stiftung Warentest nennt für die DIN EN 16647 eine Obergrenze von 4,5 kW.

💡 Nachgerechnet: Was ein Liter Ethanol im Raum hinterlässt

Die Verbrennungsgleichung von Ethanol (C₂H₅OH + 3 O₂ → 2 CO₂ + 3 H₂O) zeigt, was im Raum ankommt. Aus einem Liter Ethanol (rund 0,79 kg) entstehen etwa 1,5 kg Kohlendioxid und knapp 0,9 kg Wasserdampf. Ein Abend mit 3 Stunden Brenndauer bei 0,3 Litern pro Stunde verbraucht 0,9 Liter. Das sind rund 1,4 kg CO₂ und 0,8 Liter Wasser, die als Gas in die Raumluft gehen. Genau deshalb ist Lüften beim Ethanolkamin Pflicht und kein Komfort-Tipp.

Wie viel Kohlendioxid und Wasserdampf dabei pro Stunde entstehen, rechnet Kann man mit einem Ethanolkamin heizen? Schritt für Schritt vor.

Wie gefährlich ist ein Ethanolkamin?

Ein Ethanolkamin birgt zwei Hauptrisiken: Brand und belastete Raumluft. Laut Verbraucherzentrale NRW bildet Ethanol schon ab 21 °C mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch. Stiftung Warentest warnt vor Stichflammen, wenn Brennstoff in ein noch warmes Gerät nachgefüllt wird.

Welche Brandgefahren gibt es?

Stiftung Warentest nennt in ihrem Ratgeber vom 5. Dezember 2025 3 typische Unfallmuster:

  • Nachfüllen in ein warmes Gerät, das eine Stichflamme auslöst.
  • Zünden über angesammeltem Brennstoffgas, das verpufft.
  • Umkippen wackeliger Stand- oder Stelenmodelle mit brennendem Ethanol.

Die Folgen sind ernst. Stiftung Warentest berichtet von einem 53-Jährigen, der 2023 nach einer Ethanol-Verpuffung auf einer Geburtstagsfeier starb. Bei vielen Geräten ist außerdem schlecht erkennbar, ob die Flamme noch brennt, weil Ethanol bei Tageslicht fast unsichtbar brennt.

Was passiert mit der Raumluft?

Die Verbraucherzentrale NRW verweist auf Messungen, bei denen Formaldehyd, Benzol und Stickstoffdioxid trotz vorschriftsmäßiger Lüftung in der Raumluft nachgewiesen wurden. Formaldehyd und Benzol gelten als krebserzeugend. Dazu kommen sehr feine Partikel, die tief in die Lunge gelangen.

Das französische Verbrauchermagazin 60 Millions de consommateurs hat 2021 zwei Ethanolkamine gemessen. Stiftung Warentest gibt das Ergebnis wieder: Die Kohlenmonoxid-Konzentration lag bei 13 Milligramm je Kubikmeter und damit über dem herangezogenen WHO-Richtwert von 10 Milligramm. Die Tester bewerteten die Ergebnisse als „katastrophal“.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Die Verbraucherzentrale NRW und Stiftung Warentest raten in Haushalten mit Kindern oder Haustieren vom Ethanolkamin ab. Brennendes Ethanol lässt sich nicht mit Wasser löschen. Bereit liegen müssen eine Löschdecke oder ein Feuerlöscher mit alkoholbeständigem Schaum. Ein CO-Melder im Raum warnt vor Kohlenmonoxid, das man weder sieht noch riecht.

Die Unfallmuster, Löschregeln und Warnzeichen im Detail erklärt Ist ein Ethanolkamin gefährlich?.

Woran erkennt man einen sicheren Ethanolkamin?

Ein sicherer Ethanolkamin erfüllt die Norm DIN EN 16647, nennt eine Mindestraumgröße und lässt sich gezielt löschen. Die Norm regelt laut Verbraucherzentrale NRW Kennzeichnung, Warnhinweise, Mindestgröße des Aufstellraums, Materialien, maximale Füllmenge, Standsicherheit und Zündvorrichtung.

Aus den Empfehlungen von Stiftung Warentest und Verbraucherzentrale NRW ergibt sich der 5-Punkte-Sicherheitscheck für Ethanolkamine. Er funktioniert vor dem Kauf im Laden ebenso wie online anhand der Produktangaben:

  1. Norm prüfen: Produktblatt oder Typenschild nennt DIN EN 16647.
  2. Mindestraumgröße prüfen: Der Wert auf dem Typenschild passt zum geplanten Raum.
  3. Löschfunktion prüfen: Das Gerät hat eine Abdeckung oder Ausschaltmöglichkeit und brennt nicht zwingend bis zum letzten Tropfen.
  4. Standsicherheit prüfen: Das Gerät steht flach und schwer, keine hohe, schmale Stele.
  5. Brennstoffangabe prüfen: Der Hersteller nennt genau einen zulässigen Brennstoff und die maximale Füllmenge.

Ein Gerät, das an einem dieser 5 Punkte scheitert, gehört nicht in einen Wohnraum. Stiftung Warentest betont, dass auch die Norm Unfälle nicht vollständig verhindert. Die Norm ist die Mindestanforderung, kein Freibrief.

Wie benutzt man einen Ethanolkamin richtig?

Ein Ethanolkamin wird kalt befüllt, mit Stabfeuerzeug gezündet, nie allein gelassen und mit offenem Fenster betrieben. Nachgefüllt wird erst, wenn das Gerät vollständig abgekühlt ist. Diese Reihenfolge nennen Stiftung Warentest und Verbraucherzentrale NRW übereinstimmend.

  1. Befüllen: Nur in das kalte Gerät, nur bis zur Markierung der maximalen Füllhöhe, verschüttete Tropfen sofort mit trockenem Tuch aufnehmen.
  2. Zünden: Mit einem Stabfeuerzeug und Abstand, das Gesicht nicht über den Brenner halten.
  3. Betreiben: Brennbares wie Vorhänge, Kissen und Deko fernhalten, das Gerät nie unbeaufsichtigt lassen, auch nicht beim Schlafengehen.
  4. Lüften: Während des Betriebs dauerhaft und nach dem Erlöschen kräftig lüften, besonders in kleinen Räumen.
  5. Löschen: Mit der Abdeckung des Herstellers oder abwarten, bis der Brennstoff verbraucht ist, dann abkühlen lassen.

Das Schweizer Merkblatt empfiehlt zusätzlich einen Dichtheitstest vor der ersten Nutzung: Behälter und Auffangwanne mit Wasser füllen und 30 bis 60 Minuten warten. Tritt Wasser aus, ist das Gerät nicht für Ethanol geeignet.

Wie viel Bioethanol darf man zu Hause lagern?

Stiftung Warentest empfiehlt, in einer Wohnung nicht mehr als 5 Liter Bioethanol zu lagern. Der Brennstoff gehört fest verschlossen, kindersicher und fern von Zündquellen aufbewahrt. Die Verbraucherzentrale NRW rät zu einem separaten Raum ohne offene Flammen.

5 Liter reichen bei 0,3 Litern pro Stunde für gut 16 Brennstunden. Größere Vorräte bringen keinen Vorteil und erhöhen die Brandlast in der Wohnung. Keller, Abstellraum oder Garage sind besser geeignet als das Wohnzimmer, sofern dort keine Heizung mit offener Flamme steht.

Ist ein Ethanolkamin in der Mietwohnung erlaubt?

Ein Ethanolkamin braucht keinen Schornstein und keine bauliche Veränderung, deshalb stellen ihn viele Mieter ohne Genehmigung auf. Maßgeblich sind trotzdem Mietvertrag und Hausordnung, die offenes Feuer einschränken können. Im Zweifel klärt eine kurze schriftliche Nachfrage beim Vermieter die Lage.

Wandmodelle müssen angebohrt werden. Hier gelten die üblichen Regeln für Bohrlöcher und Rückbau beim Auszug. Sinnvoll ist außerdem ein Blick in die Bedingungen der Hausratversicherung, denn ein Brand durch grob fahrlässige Bedienung kann den Versicherungsschutz kürzen.

Ethanolkamin oder Elektrokamin: Was passt besser?

Der Ethanolkamin bietet echtes Feuer, der Elektrokamin mehr Sicherheit. Ein Elektrokamin erzeugt ein Flammenbild mit Licht oder Wasserdampf, gibt keine Abgase ab und heizt bei Bedarf über ein elektrisches Gebläse. Er braucht nur eine Steckdose.

Für Haushalte mit Kindern, Haustieren oder kleinen Räumen ist der Elektrokamin die naheliegende Wahl. Die Verbraucherzentrale NRW nennt sogar ein flackerndes Kamin-Video auf dem Bildschirm als deutlich sicherere Alternative. Wer echte Wärme mit echtem Feuer will, landet beim Kaminofen mit Schornstein.

KriteriumEthanolkaminElektrokaminKaminofen
Echtes Feuerjaneinja
Schornstein nötigneinneinja
Abgase im Raumjaneinnein (über Schornstein)
Als Heizung geeignetneinals Zusatzheizungja
Abnahme Schornsteinfegerneinneinja
💬 Meine Einschätzung

Beim Ethanolkamin wird oft mit „Wärme ohne Schornstein“ geworben. Die Rechnung zeigt das Gegenteil: Was der Brenner an Leistung liefert, muss man durch das gekippte Fenster wieder hinauslassen, sonst sammeln sich Kohlendioxid, Wasserdampf und Schadstoffe im Raum. Ein Ethanolkamin ist deshalb ein Möbel mit Flamme, kein Ofen. Wer das akzeptiert, ihn nach dem 5-Punkte-Sicherheitscheck auswählt und nie warm nachfüllt, kann ihn als Stimmungslicht nutzen. Wer eigentlich heizen will, steckt das Geld besser in die Planung eines richtigen Kaminofens oder, ohne Schornstein, in einen Elektrokamin.

✓ Das Wichtigste in Kürze
  • 0,3 Liter Ethanol pro Stunde entsprechen rund 2 kW, ein Liter enthält etwa 5,9 kWh.
  • Ein Liter verbranntes Ethanol erzeugt etwa 1,5 kg CO₂ und knapp 0,9 kg Wasserdampf im Raum.
  • Ab 21 °C bildet Ethanol mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch: nur kalt nachfüllen.
  • 5-Punkte-Sicherheitscheck: Norm DIN EN 16647, Mindestraumgröße, Löschfunktion, Standsicherheit, Brennstoffangabe.
  • Höchstens 5 Liter Bioethanol in der Wohnung lagern, verschlossen und kindersicher.

Betriebskosten und Flammentechniken von Elektrokaminen vergleicht Elektrokamin: Wie echt wirkt die Flamme und was kostet der Betrieb?, die 3D-Flamme mit Nebel erklärt Wasserdampf-Kamin. Alle Möglichkeiten ohne Schornstein im Überblick zeigt Kamin ohne Schornstein.

Häufige Fragen zum Ethanolkamin

Diese Fragen tauchen rund um den Ethanolkamin regelmäßig auf. Sie ergänzen die Kapitel oben um Detailpunkte.

Riecht ein Ethanolkamin?

Ein sauber brennender Ethanolkamin riecht kaum. Geruch entsteht vor allem beim Anzünden, beim Erlöschen und bei verunreinigtem oder ungeeignetem Brennstoff. Starker Geruch ist ein Zeichen für unvollständige Verbrennung und damit ein Grund, sofort zu lüften und Brennstoff und Gerät zu prüfen.

Was kostet eine Stunde Ethanolkamin?

Die Kosten pro Stunde ergeben sich aus Verbrauch mal Literpreis. Bei 0,3 Litern pro Stunde kostet eine Stunde 0,3 mal den aktuellen Literpreis des Bioethanols. Geteilt durch 5,9 kWh je Liter ergibt der Literpreis den Preis je Kilowattstunde, das ist der faire Vergleich zu Strom oder Holz.

Ist Ethanol-Gel sicherer als flüssiges Bioethanol?

Ethanol-Gel läuft beim Umkippen weniger aus, verbrennt aber dieselben Stoffe zu denselben Abgasen. Entscheidend ist, welchen Brennstoff der Hersteller für das Gerät zulässt. Ein Gerät für flüssiges Bioethanol wird nicht mit Gel betrieben und umgekehrt.

Darf ein Ethanolkamin draußen stehen?

Im Freien entfällt das Raumluftproblem, das Brandrisiko bleibt. Wind treibt Flammen und Brennstoffdämpfe seitlich weg und erhöht die Gefahr beim Zünden und Nachfüllen. Outdoor-Modelle brauchen einen windgeschützten, nicht brennbaren Standplatz und Abstand zu Polstern, Sonnenschirmen und Hecken.

Quellen und weiterführende Literatur

Die Angaben in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen. Abgerufen am 1. November 2026.

  • Ethanolfeuerstellen: Gefährlicher Kaminersatz · verbraucherzentrale.nrw · Gefahren, Schadstoffe, DIN EN 16647, Lagerung und Löschmittel, Stand 26. Januar 2026.
  • Ethanol-Kamine: Eine brandgefährliche Deko · test.de · Unfallmuster, Lager-Empfehlung von 5 Litern, Kauftipps und Messwerte aus Frankreich, 5. Dezember 2025.
  • Merkblatt Ethanolöfen · bag.admin.ch · gemeinsames Merkblatt von bfu, VKF, BAG und weiteren Stellen mit dem Richtwert 0,3 l/h ≈ 2 kW, Stand Dezember 2010.
  • DIN EN 16647 · Europäische Norm für dekorative Feuerstellen für flüssige Brennstoffe zur Verwendung in Haushalten.
  • Stoffdaten Ethanol · Heizwert rund 26,8 MJ/kg, Dichte rund 0,79 kg/l, Grundlage für die eigene Umrechnung in kWh je Liter und CO₂ je Liter.