Ein Schornstein für einen neuen Holzofen muss firstnah austreten und den First um mindestens 40 cm überragen. Das gilt nach § 19 der 1. BImSchV für Anlagen, die seit 2022 errichtet werden. Zusätzlich muss die Mündung Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen im Umkreis von 15 m um mindestens 1 m überragen.
Für die Schornsteinhöhe gelten 3 Regelwerke: die 1. BImSchV für die Ableitung von Abgasen fester Brennstoffe, die Feuerungsverordnungen der Länder für den Brandschutz am Dach und die Herstellerangaben des Ofens für den Zug. Neue Holzfeuerungen seit 2022: firstnah, mindestens 40 cm über First, bei flachen Dächern über einem fiktiven 20-Grad-Dach, 1 m über Öffnungen im Umkreis von 15 m. Bestandsanlagen, die geändert oder ausgetauscht werden, haben erleichterte Varianten. Für einen guten Zug nennen Hersteller wie Wamsler eine wirksame Höhe von mindestens 4 m.
Welche Regeln bestimmen die Schornsteinhöhe?
Die Höhe eines Schornsteins für einen Kaminofen bestimmen 3 Regelwerke: die 1. BImSchV mit den Ableitbedingungen für Abgase, die Feuerungsverordnung des Landes mit Mindestabständen zum Dach und die Herstellerangaben mit der nötigen wirksamen Höhe für den Zug. Maßgeblich ist jeweils die strengste Anforderung.
Die 1. BImSchV soll verhindern, dass Rauch in Nachbarhäuser oder den eigenen Garten zieht. Die Feuerungsverordnung soll das Dach vor Funken und Hitze schützen. Die Herstellerangaben sorgen dafür, dass der Ofen genug Zug bekommt. Für Holzöfen, die seit 2022 neu errichtet werden, ist die 1. BImSchV meist die entscheidende Vorgabe.
Was gilt für neue Kaminöfen seit 2022?
Für Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe, die nach dem 31. Dezember 2021 errichtet werden, verlangt § 19 Abs. 1 der 1. BImSchV: Die Mündung liegt firstnah und überragt den First um mindestens 40 cm. Bei Dächern unter 20 Grad Neigung wird ein fiktiver First berechnet, als hätte das Dach 20 Grad.
Firstnah ist eine Mündung nach dem Verordnungstext, wenn 2 Bedingungen erfüllt sind: Ihr waagerechter Abstand zum First ist kleiner als ihr waagerechter Abstand zur Traufe. Und ihr senkrechter Abstand zum First ist größer als ihr waagerechter Abstand zum First. Ein Schornstein an der Traufe erfüllt das praktisch nie.
Zusätzlich muss die Mündung die Oberkanten von Lüftungsöffnungen, Fenstern und Türen in einem Umkreis überragen, der mit der Gesamtwärmeleistung wächst:
| Gesamtwärmeleistung | Umkreis | Mindestüberhöhung |
|---|---|---|
| bis 50 kW (alle üblichen Kaminöfen) | 15 m | 1 m |
| über 50 bis 100 kW | 17 m | 2 m |
| über 100 bis 150 kW | 19 m | 3 m |
| über 150 bis 200 kW | 21 m | 3 m |
Der Umkreis zählt auch Fenster auf Nachbargrundstücken. In dicht bebauten Gebieten oder in Hanglage kann das die nötige Höhe deutlich erhöhen. Abweichen darf man von diesen Vorgaben nur, wenn die Mündungshöhe für das Einzelgebäude nach der Richtlinie VDI 3781 Blatt 4 berechnet wurde.
Aus der Definition „firstnah“ lässt sich eine einfache Vorstellung ableiten: Man zieht vom First aus eine gedachte Linie im 45-Grad-Winkel nach oben. Weil der senkrechte Abstand zum First größer sein muss als der waagerechte, muss die Mündung oberhalb dieser Linie liegen und gleichzeitig mindestens 40 cm über dem First. Steht der Schornstein 1,5 m neben dem First, muss die Mündung also mehr als 1,5 m über dem First liegen. Je weiter der Schornstein vom First entfernt ist, desto höher wird er. Das ist eine Lesart des Verordnungstexts zur Orientierung, verbindlich ist die Prüfung durch den Bezirksschornsteinfeger.
Was gilt für bestehende Schornsteine und den Ofentausch?
Für Holzfeuerungen, die vor 2022 errichtet wurden und danach wesentlich geändert oder ausgetauscht werden, gelten nach § 19 Abs. 2 erleichterte Varianten. Bei bis zu 20 Grad Dachneigung reichen 40 cm über First oder 1 m Abstand zur Dachfläche, bei steileren Dächern 40 cm über First oder 2,30 m waagerechter Abstand zur Dachfläche.
Auch hier gilt bis 50 kW der Umkreis von 15 m mit 1 m Überhöhung über Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen. Die erleichterten Regeln gelten ausdrücklich auch, wenn eine Öl- oder Gasheizung von vor 2022 durch eine Feuerung für feste Brennstoffe ersetzt wird. Für Gebäude von vor 2022 erlaubt die Verordnung außerdem, auf Absatz 2 auszuweichen, wenn die neuen Regeln im Einzelfall unverhältnismäßig wären.
Was verlangt die Feuerungsverordnung am Dach?
Die Muster-Feuerungsverordnung verlangt in § 9, dass die Mündung den First um mindestens 40 cm überragt oder mindestens 1 m von der Dachfläche entfernt ist. Dachaufbauten, Fenster und ungeschützte brennbare Bauteile im Abstand von weniger als 1,5 m müssen um mindestens 1 m überragt werden.
Bei Gebäuden, deren Dach überwiegend nicht als harte Bedachung gilt, etwa mit Reet- oder Strohdach, muss das Abgas fester Brennstoffe am First austreten und ihn um mindestens 80 cm überragen. Für neue Holzöfen sind die Anforderungen der 1. BImSchV meist strenger, sodass die Feuerungsverordnung vor allem bei Dachaufbauten und Dachfenstern in der Nähe zusätzlich greift.
Wie hoch muss der Schornstein für einen guten Zug sein?
Für den Zug zählt die wirksame Höhe, also die Strecke vom Rauchrohranschluss bis zur Mündung. Die Bedienungsanleitung des Wamsler-Kaminofens ROOK nennt mindestens 4 m, bei mehreren angeschlossenen Feuerstätten 5 m. Andere Öfen haben eigene Werte in ihren technischen Daten.
Ein höherer Schornstein erzeugt mehr Auftrieb und damit mehr Zug. Ob Höhe und Querschnitt zum Ofen passen, berechnet der Fachbetrieb nach DIN EN 13384. Ist der Zug zu stark, lässt er sich mit einer Drosselklappe bremsen. Ist er zu schwach, helfen die Schritte aus Kamin zieht nicht: Ursachen finden und beheben.
Die nötige Höhe hängt von Dachform, Lage des Schornsteins, Nachbargebäuden und Ofenleistung ab. Die Angaben hier fassen die Regeln zusammen, ersetzen aber keine Prüfung. Bevor ein Schornstein gebaut oder verlängert wird, sollte der Bezirksschornsteinfeger die geplante Mündungshöhe bestätigen. Er nimmt die Anlage später ab.
💬 Meine EinschätzungDie Regel von 2022 verändert vor allem die Nachrüstung. Ein Edelstahlschornstein an der Giebelwand, der mit 1 m Abstand zur Dachfläche auskam, war vor 2022 oft zulässig. Bei einer neuen Holzfeuerung muss die Mündung heute firstnah und über dem First liegen. Wer ein Haus mit Ofen kauft oder einen Ofen nachrüsten will, sollte deshalb früh klären, ob ein vorhandener Schornstein als Bestandsanlage gilt. Davon hängt ab, welche Variante erlaubt ist.
- Neue Holzfeuerung seit 2022: firstnah, mindestens 40 cm über First.
- Dächer unter 20 Grad: Höhe über einem fiktiven 20-Grad-First.
- Bis 50 kW: Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen im Umkreis von 15 m um 1 m überragen.
- Bestandsanlagen und Ofentausch: 40 cm über First oder 1 m beziehungsweise 2,30 m Abstand zur Dachfläche.
- Für den Zug: wirksame Höhe nach Herstellerangabe, beim Wamsler ROOK mindestens 4 m.
Häufige Fragen zur Schornsteinhöhe
Diese Fragen tauchen bei Planung und Nachrüstung oft auf.
Gilt die neue Regel auch für meinen alten Kaminofen?
Nein, solange die Anlage vor 2022 errichtet wurde und nicht wesentlich geändert wird. Wird der Ofen ausgetauscht oder der Schornstein wesentlich geändert, gelten die erleichterten Varianten nach § 19 Abs. 2.
Zählen auch die Fenster des Nachbarn?
Ja. Die Verordnung spricht von Lüftungsöffnungen, Fenstern und Türen im Umkreis, ohne auf das eigene Grundstück zu beschränken. Ein höheres Nachbarhaus in weniger als 15 m Entfernung kann deshalb einen höheren Schornstein erfordern.
Kann man einen Schornstein einfach verlängern?
Oft ja, etwa mit einem Aufsatz oder einer Verlängerung aus Edelstahl. Dabei müssen Standsicherheit, Querschnitt und Zug passen. Die Planung gehört in die Hände eines Fachbetriebs, die Abnahme macht der Bezirksschornsteinfeger.
Was ist der Unterschied zwischen Mündungshöhe und wirksamer Höhe?
Die Mündungshöhe beschreibt, wie weit der Schornstein über das Dach ragt. Die wirksame Höhe ist die Strecke vom Ofenanschluss bis zur Mündung und bestimmt den Zug. Mehr zu Aufbau und Arten steht in Schornstein: Aufbau, Arten und Anforderungen für Kaminöfen.
Quellen und weiterführende Literatur
Die Angaben in diesem Artikel stammen aus diesen Quellen. Abgerufen am 1. November 2026.
- Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen (1. BImSchV), § 19 · gesetze-im-internet.de · Ableitbedingungen für Abgase fester Brennstoffe, Definition firstnah, Umkreisregel, Bestandsanlagen.
- Muster-Feuerungsverordnung (MFeuV), § 9 · is-argebau.de · Abführung von Abgasen, Mündung über Dach und Dachaufbauten.
- Bedienungsanleitung Wamsler Kaminofen ROOK (6,3 kW) · Herstellerunterlage · wirksame Schornsteinhöhe.
- VDI 3781 Blatt 4 (Juli 2017) · Richtlinie zur Ermittlung der Mündungshöhe für Einzelgebäude.
- DIN EN 13384 · Norm zur wärme- und strömungstechnischen Berechnung von Abgasanlagen.


